Vor demGesetz

Interaktive Typografie
zwischen Kontrolle und Kontrollverlust

Lukas Hecht

Ein Mann steht vor einer Tür. Der Türhüter lässt ihn nicht hindurch, verbietet es ihm aber auch nicht. Also wartet er ein Leben lang. In Kafkas Türhüterparabel erkannte ich etwas Vertrautes. Auch ich sitze täglich vor einer Art Tür. Sie leuchtet in meiner Hand, reagiert auf jede Berührung und verspricht mir Zugang zu allem. Und trotzdem ertappe ich mich dabei, wie ich lese, ohne anzukommen – tippe, wische, scrolle und kann am Ende nicht sagen, was ich eigentlich gelesen habe. Genau hier beginnt diese Arbeit: an der Schwelle zwischen Zugang und Distanz, zwischen Lesen und Verstehen.

Thema und Fragestellung

Lesen ist nicht nur ein kognitiver Prozess, sondern eine körperliche Interaktion zwischen lesender Person, Text und Interface. Augenbewegung, Aufmerksamkeit und Handlungsmöglichkeiten bestimmen dabei, wie ein Text im Moment des Lesens erfasst werden kann. Die Arbeit untersucht, wie sich diese Interaktion zwischen Körper und Text im digitalen Lesen verändert und wie Bewegung, Reaktion und Unterbrechung den Zugang zum Text strukturieren.

Relevanz des Themas

Das Smartphone ist heute eines der wichtigsten Lesemedien. Während digitale Texte jederzeit verfügbar sind, konkurrieren sie permanent mit Benachrichtigungen, Algorithmen und anderen Formen der Aufmerksamkeitslenkung. Lesen wird dadurch zunehmend zu einem gesteuerten Prozess, in dem Interfaces beeinflussen, was sichtbar ist und wie Inhalte wahrgenommen werden.

Motivation

Mich interessiert die Diskrepanz zwischen gefühlter Kontrolle und tatsächlicher Steuerung beim digitalen Lesen. Digitale Interfaces vermitteln den Eindruck, jederzeit Zugang zu Informationen zu haben, während sie gleichzeitig Aufmerksamkeit lenken und Handlungsmöglichkeiten vorgeben.

Zielsetzung

Ziel der Arbeit ist es, die Bedingungen des Lesens im digitalen Raum zu untersuchen und die Rolle von Bewegung, Interaktion und Kontrolle im Leseprozess erfahrbar zu machen. Was die kulturgeschichtliche Thesis theoretisch herleitet, soll in der Installation körperlich als Erfahrung spürbar sein, die über das Lesen eines Textes hinausgeht.

Prozessdokumentation

Monatliche Dokumentation des gestalterischen Prozesses – Experimente, Interviews und Recherchen.

Kulturgeschichtliche Thesis

Ausgangspunkt ist die Veränderung des Lesens im Übergang vom analogen zum digitalen Raum. Die Arbeit untersucht, wie kognitive Prozesse des Lesens – Fixationen, Regressionen, Aufmerksamkeit und Gedächtnis – mit gestalterischen Eingriffen interagieren und welche Rolle dabei Bewegung, Interaktion und Kontrolle spielen. Perspektiven aus der Leseforschung und der aktuellen Gestaltungspraxis werden miteinander verknüpft.

Bachelor Thesis 2026Konzept und Gestaltung Lukas Hecht
Mentorierende Marianna Helen Meyer
Jinsu Ahn
Dr. Invar-Torre Hollaus
Danke auch an Prof. Marion Fink
Dr. Philipp Stamm
Dr. Paloma López Grüninger
Ted Davis
Gabriele Forster
Martin Golombek
Katharina Kemmerling
Schriften ABC Daily Slab Variable Edu
ABC Diatype Mono Variable Edu

FHNW, Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel
Institut Digitale Kommunikationsumgebungen
Bachelor Visuelle Kommunikation und digitale Räume
Vertiefung: digitale Räume

© 2026 Lukas Hecht / FHNW HGK Basel.
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