Interaktive Typografie
zwischen Kontrolle und Kontrollverlust
Lukas Hecht
Lesen ist nicht nur ein kognitiver Prozess, sondern eine körperliche Interaktion zwischen lesender Person, Text und Interface. Augenbewegung, Aufmerksamkeit und Handlungsmöglichkeiten bestimmen dabei, wie ein Text im Moment des Lesens erfasst werden kann. Die Arbeit untersucht, wie sich diese Interaktion zwischen Körper und Text im digitalen Lesen verändert und wie Bewegung, Reaktion und Unterbrechung den Zugang zum Text strukturieren.
Das Smartphone ist heute eines der wichtigsten Lesemedien. Während digitale Texte jederzeit verfügbar sind, konkurrieren sie permanent mit Benachrichtigungen, Algorithmen und anderen Formen der Aufmerksamkeitslenkung. Lesen wird dadurch zunehmend zu einem gesteuerten Prozess, in dem Interfaces beeinflussen, was sichtbar ist und wie Inhalte wahrgenommen werden.
Mich interessiert die Diskrepanz zwischen gefühlter Kontrolle und tatsächlicher Steuerung beim digitalen Lesen. Digitale Interfaces vermitteln den Eindruck, jederzeit Zugang zu Informationen zu haben, während sie gleichzeitig Aufmerksamkeit lenken und Handlungsmöglichkeiten vorgeben.
Ziel der Arbeit ist es, die Bedingungen des Lesens im digitalen Raum zu untersuchen und die Rolle von Bewegung, Interaktion und Kontrolle im Leseprozess erfahrbar zu machen. Was die kulturgeschichtliche Thesis theoretisch herleitet, soll in der Installation körperlich als Erfahrung spürbar sein, die über das Lesen eines Textes hinausgeht.
Die Dokumentation begleitet den gestalterischen Prozess Monat für Monat, von den ersten Experimenten im Februar bis zur fertigen Installation im Juni. Festgehalten werden auch Recherchen sowie die Überlegungen, die zu den jeweiligen Entscheidungen führten. Da die Dokumentation während des Prozesses immer wieder ergänzt wurde, erzählt sie nicht nur, was entstanden ist, sondern auch, warum es so und nicht anders kam.
Ausgangspunkt ist die Veränderung des Lesens im Übergang vom analogen zum digitalen Raum. Die Arbeit untersucht, wie kognitive Prozesse des Lesens – Fixationen, Regressionen, Aufmerksamkeit und Gedächtnis – mit gestalterischen Eingriffen interagieren und welche Rolle dabei Bewegung, Interaktion und Kontrolle spielen. Perspektiven aus der Leseforschung und der aktuellen Gestaltungspraxis werden miteinander verknüpft.
«Vor dem Gesetz» ist nur für die Desktop-Ansicht geeignet.